Entlang der Andamanenküste

Von Prachuap Khiri Khan ging die Fahrt weiter, einmal quer durch Thailand in den Westen, nach Ranong an der Andamanenküste gelegen. Ranong ist kaum touristisch geprägt, da es für viele lediglich ein Sprungbrett zu den Inseln Ko Chang oder Ko Phayam ist. Da Ranong zudem eine Grenzstadt zu Myanmar ist, nutzen viele Reisende auch die Möglichkeit für einen Visarun, sofern ihre 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung in Thailand ausläuft. D.h. einmal fix aus Thailand ausreisen, um in Myanmar einzureisen um sofort wieder auszureisen und in Thailand, mit neuen 30 Tagen Aufenthaltsgenehmigung, einzureisen.

In Ranong hab ich mir die Zeit mit zwei weiteren Hostelgenossen vertrieben. Wie mieteten uns zwei Scooter und erkundeten tagsüber den Lamnamkraburi National Park mit seinen Wasserfällen und Hot Springs und am Abend gings in die Stadt, um die Nachtmärkte auszuchecken. Die Hot Springs hatten in etwa eine Temperatur von 40 Grad. Lange hielten wir es da drin allerdings nicht aus. Zur Abkühlung gings dann in den angrenzenden seichten Fluss, wo wir uns mit Blick in die Baumkronen von kleinen Fischen die Hautschuppen abknabbern haben lassen.

Auf die Insel Ko Phayam, welche sich bei Urlaubern zunehmend beliebt, bin ich allein, mit nem Speedboot, rübergedonnert. Das kann man schon so sagen, denn die Speedboote heizen hier mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h übers wellige Blau. Die Insel ist nicht allzu groß. Es fahren keine Autos, lediglich dutzende Scooter bzw. Mopeds. Da die Insel dann aber doch ein wenig zu groß ist, um sie auf zwei Beinen zu erkunden, mietete ich mir nen Scooter im hässlichen rosa Design…naja, besser als nichts. Ich fuhr in den Norden um mir die Strände dort zu geben. Zuerst fuhr ich zum nördlichsten Strand, zum Monkey Beach – Affen hab ich leider keine gesehen. Eine herrliche Ruhe erwartete mich dort dafür. Letztendlich bin ich am zweiten Strand, wo die Hippie Bar sich befindet, bei sanften Wellenrauschen, Vogelgezwitscher und Gitarrenmusik im Hintergrund versackt. Dort haben doch tatsächlich irgendwelche alternative Leute aus Brettern eine Bar im Schiffsbugdesign zusammengeschustert. Sah schon irgendwie fetzig aus. Was aber auch haften bleibt von der Insel ist, dass sie unfassbar dreckig ist. An den Stränden weniger, dafür aber umso mehr, wo ein wenig mehr Zivilisation ist. Unmengen an Plastikmüll. Ganz krass war es im Ort, wo der Pier liegt. Das hängt vermutlich auch mit den Gezeiten zusammen, dass die Flut den Müll vom Meer mitbringt und dieser am Strandende bei Ebbe liegen lässt, wo sich scheinbar aber auch keiner dafür zuständig fühlt, diesen zu entsorgen.

Von Ranong ging es weiter südwärts entlang der Andamanenküste nach Khao Lak, welche vielen noch ein Begriff sein sollte aufgrund des Tsunamis, welcher am 26. Dezember 2004 verheerenden Schaden anrichtete. In Khao Lak hats mich mal in so einen richtigen Touristenort verschlagen, was aber halb so wild ist. Die Massen halten sich in Grenzen, da viele in den Resorts abhängen. Dennoch ist hier alles auf den Tourismus ausgerichtet. Abwechselnd reihen sich Ausflugsanbieter an Restaurants und Thai-Massage- sowie Tattoostudios.

Naja, warum auch nicht. Genehmigen wir uns halt mal ein wenig Luxus und Touriprogramm. In Khao Lak hab ich mir meine allererste Thai Massage gegönnt. Joa, also ich muss schon sagen, wenn man das traditionelle Programm wählt, wird man ordentlich durchgeknetet, was ab und an mit ein wenig Schmerz verbunden war. Aber selbst schuld, wenn man an diesen Stellen verspannt ist. 😉

Highlight war der Ganztagesschnorchelausflug mit Vollverpflegung zu den ca. 80 km vom Festland entfernten Surin Inseln. Bevor es jedoch ins Wasser ging, statteten wir den bis vor einigen Jahren noch staatenlosen Moken (Seenomaden) einen Besuch auf der südlichen Surin-Insel ab. Die vom Meer lebenden Moken waren 2004 auch von dem Tsunami betroffen. Anders aber als die Festland-Thais wusste das Seevolk, mit Jahrtausend alter Historie, die Anzeichen eines Tsunamis zu deuten. Durch die rechtzeitige Rettung ihrer Selbst auf den Inselberg, überlebten alle damaligen Dorfbewohnern diese Naturkatastrophe. All ihre Holzhütten wurden jedoch komplett zerstört und von den Wassermassen verschlungen. Dem allen zum Trotz errichteten sie ihr Dorf komplett neu. Heute wohnen ca. 300 Leute in dem Dorf. Irgendwie hatte dieser Besuch für mich einen bitteren Beigeschmack. Wir (ca. 50 Touris) latschten barfuß auf dem verdammt heißen Sand durch das wenige Meter lange Dorf. Von unter ihren pfählenden Holzhütten, im Schatten sitzenden Frauen und Kindern wurden wir mit einem zaghaften „Hello, 50 Baht“ darauf aufmerksam gemacht, dass wir hier auch Souvenirs erwerben können. Dennoch war mir der ganze Besuch ein wenig suspekt bzw. zum Schluss auch unangenehm. Die Moken, die im Grunde relativ abgeschieden von der Zivilisation (relativ deswegen, da sie kleine Solaranlagen und Satellitenschüsseln besitzen, um Radio und TV empfangen zu können) leben, bekommen täglich Besuch von unzähligen Leuten, die sie begaffen und fotografieren. Natürlich zähle ich mich auch dazu, wobei auch der Kauf eines Armbändchens von einem kleinen Moken-Mädchen dieses Schamgefühl nicht wett machte. Ich fragte unseren seit 26 Jahren in Thailand lebenden deutschen Tourguide Martin, ob die Moken dies freiwillig über sich ergehen lassen oder ob sie dafür bekommen. Nein, sie bekommen nichts dafür und ja, sie machen dies freiwillig. Komisch find ich das allerdings schon ein wenig… Naja war trotzdem sehr interessant, weil so ein einfaches und mittelloses Leben für uns unvorstellbar wäre.

Im Anschluss an diesen Besuch ging es zum ersten Schnorchelspot, wo wir die wunderschöne Korallenwelt bestaunten und knabbernde Papageienfische, Schwärme von Zebrafischen, Wimpelfische usw. die Schönheit der Unterwasserwelt perfektionierten. Zum Mittagessen fuhren wir auf die Nord-Surin-Insel, wo wir im Anschluss noch ein wenig Zeit hatten, die Insel zu erkundigen. Legten sich fast alle meiner Tourbegleiter in die Sonne bzw. gingen im türkisblauem Meer baden, begab ich mich auf den Weg um zu gucken wie es hier so aussieht. Eine Beschreibung der nahen Umgebung erspar ich mir, ich lass die Fotos sprechen:

Abschließend gings dann nochmal zu nem zweiten Spot, wo wir etwas größere Fische (Haie und Steachelrochen) aber weniger schöne Korallen antrafen. Dennoch muss ich sagen, dieser Hardcore-Touriausflug hat sich schon irgendwie gelohnt.

Nach nunmehr 14 Tagen Thailand, wage ich es mir zu erlauben, ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen: Die thailändische Bevölkerung ist unfassbar freundlich und hilfsbereit. Das wiederfährt mir in vollem Ausmaß beim Hostelpersonal, welches etwas besseres Englisch spricht. Leider sprechen die meisten Thais eher weniger gutes Englisch. Aufgrund dessen scheuen sie sich, mehr als nur das nötigste zu kommunizieren. Süd-Thailand hat eine Menge zu bieten, vor allem für den erholungssuchenden Pauschalurlauber. Sicher auch für den Backpacker. Allerdings muss ich bis dato konstatieren, dass es kaum möglich ist, hier etwas auf eigene Faust zu erkunden. Da einerseits die Entfernungen zu groß sind und anderseits die Hitze bzw. die Sonne die weiten Strecken zu Fuß unangenehm machen. Wodurch die physische Auslastungskomponente einfach mal nicht gegeben ist. Zudem vermisse ich noch, den von mir, im letzten Jahr kennengelernten „Reiseflow“. Ich hab mich schon darauf eingestellt, dass es „anders“ wird, wie es sich jedoch anfühlt, weiß man erst wenn man unterwegs ist. Aber was sind 14 Tage schon für eine Zeit, eigentlich gar nichts….

Bis demnächst!

Julia

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2 thoughts on “Entlang der Andamanenküste”

  1. Danke Tony 🙂 Ja, dort ließ es sich auf jeden Fall aushalten. Bin gerade in den malaysischen Cameron Highlands – hier ist das Wetter wie bei euch vor einer Woche: Grau und regnerisch, wenn auch ein bisschen wärmer.
    Liebe Grüße
    Julia

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