Schmelztiegel der Kulturen

Entlang von unzähligen Palmölplantagen ging es, diesmal auf Gleisen, mit dem Zug von Hat Yai nach Malaysia. In Padang Besar, durch welche die thailändisch-malaysische Grenze verläuft, gabs nen neuen Stempel in den Reisepass. Das ganze Prozedere ging ohne Probleme oder gar Fragen von statten. Läuft.

Seit gegrüßt meine Lieben! Ja, wo soll denn dieser Schmelztiegel nun sein? Mit großer Gewissheit und ziemlich konzentriert in der mittelgroßen Stadt Georgetown auf der malaysischen Insel Penang, welche im 18. Jahrhundert von britischen Handelsseglern besiedelt wurde. Zweifelsohne eine absolut interessante Multikulti-Stadt, wo es extrem viel zu entdecken gibt. Georgetown ist geprägt von den unterschiedlichsten Kulturen des asiatischen Raums als auch durch seinen historischen europäischen Hintergrund. Primär sind hier jedoch indische und chinesische Einflüsse wiederzufinden. Dieser bunte Mix der Kulturen spiegelt sich vor allem in der Architektur, dem Essen und überhaupt der Mentalität der Menschen wieder. Deswegen befinden sich in der Innenstadt zahlreiche Moscheen, Kirchen, hinduistische und chinesisch-buddhistische Tempel. Aber auch in der Architektur der anderen Gebäude und Häuser sieht man die unterschiedlichsten Einflüsse. Zudem wird Georgetown nachgesagt, dass es hier das Beste und vielfältigste Essen der Welt gibt. Obs stimmt weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass es hier tausende diverse Nascherein und Gerichte gibt. Was ich bisher probiert hab, ich versuch jeden Tag etwas Anderes zu essen, schmeckte bisher fantastisch. Vor allem aber die vielen unterschiedlichen Nudelsuppen haben es mir hier angetan. Was ich aber zweifellos bestätigen kann, ist, dass Georgetown zu Recht, sich seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen darf.

Die Stadt ist auch bekannt wegen seiner Streetart. An den Hauswänden befinden sich dutzende Malerein und Zeichnungen. Am ersten Tag, als ich durch die Straßen schlendert auf Tuchfühlung mit der Stadt ging, war es wie eine Art Schnitzeljagd. Wenn man sich Zeit nimmt und ab und an die kleinen Nebengassen mitnimmt kann man allerhand entdecken – nicht nur die Kunst an den Wänden.

Zudem bietet die Stadt ein angenehmes aber verhältnismäßig kostenintensives Nachtleben in den vielen kleinen Nebengässchen. Vor allem in der Love Lane unweit meines Hostels. So kam es, dass ich mich am ersten Abend in ner Bar in besagter Straße mit mindestens 10 Artgenossen aus den verschiedensten Ländern wiederfand und paar neue Bekanntschaften geschlossen hab.

Inselabend

Ein Hauptgrund, weshalb ich auf die Insel wollte, ist der 735 Meter hohe Penang Hill, zu welchem dutzende kaum oder sehr schlecht ausgeschilderte Wanderwege hochführen. Yes! Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Endlich Schluss mit der rumlenzerei und mal wieder aktiv werden! Alternativ und wer es bequem und ohne schwitzen mag, kann sich auch mit der Penang-Hill-Tram hochchauffieren. Mein erster Anlauf, den Berggipfel zu erreichen, viel wortwörtlich ins Wasser. Auf halber Strecke musste ich abrechen, da der anfänglich schwache Regen dann doch zu stark wurde. Zudem war ich bis auf die Knochen durchnässt und das Wasser kam mir schon entgegengelaufen. Es wäre purer nonsens gewesen, weiter zu machen. Zumal die Aussicht von dort oben sowieso gleich null gewesen wäre. Ich musste über jene schmunzeln die haufen Kohle ausgegeben haben, um sich mit dieser Bergbahn hochbringen zu lassen um mal gar keine Aussicht zu haben. Naja, vielleicht haben sie ein paar Stündchen da oben ausgeharrt, denn am Nachmittag klarte der Himmel auf, die Wolken verzogen sich und die Sonne schien unschuldig und mit voller Kraft. Da war ich aber schon wieder zurück. Hätte ich für besagten Tag aber mal in die Wettervorhersage geschaut, hätte ich es wissen können und gleich meinen Aufstieg auf den nächsten mit besten Wetter angekündigten Tag verlegen können.

Also neuer Angriff am darauffolgenden Tag. Ich schwitzte, wie ich selten geschwitzt habe. Bei den klimatischen Bedingungen ist so eine Wanderung, teils mit echt steilen Anstiegen, nicht ohne – aber definitiv machbar. Vor allem die vielen Treppenstufen sind Killer Nummer eins. Aber ja, man muss ja nicht hochrammeln wie ein Irrer. Bisschen erschwert wurde die Wanderung wegen der mangelnden Hinweisschildern. Irgendwann erreichte ich dann eine asphaltierte Straße, die hoch zum Berg führte. Bisschen angepisst von der ganzen herumirrerei zuvor, entschloss ich mich der nicht weniger steilen Straße anstelle des Wanderweges zu folgen. Musste ich halt in Kauf nehmen, dass Autos an mir vorbeidonnerten. Nach wenigen Minuten erreichte ich eine Stelle, wo mir nichts dir nichts n paar Äffchen saßen. Von weitem sah ich schon den Boss der Truppe, welcher im Vergleich zu seinen Artgenossen von etwas stämmigerer und größerer Natur war und mich, während ich mich ihnen langsam näherte, die ganze Zeit ein wenig aggressiv dreinblickend musterte. Mein Eindruck sollte mich nicht täuschen: Als ich ihn mit, soweit es die Straße hergab, ausreichend Sicherheitsabstand und immer aus den Augenwinkeln beobachtend passieren wollte, setzte er fauchend und nach meinem Bein greifend zum Angriff an. Die ganzen Moskitostiche kann ich ab, aber auf ne offene Wunde durch so einen blöden Affen hatte ich kein Bock. Kein Plan was den Kunden geritten hat, vermutlich meine Wasserflasche. Mir blieb nichts anderes übrig, als volles Rohr die Straße runterzurennen. Glücklicherweise wusste ich, dass ein Stückchen hinter mir eine Truppe Männer sich hochquälte. Ich erzählte was geschehen war und wir bewaffneten uns mit Stöcken um gegen den Macker der Affentruppe gewappnet zu sein. Tja, diesmal hatte der aggressive Affe wohl Respekt und beobachtete uns nur argwöhnisch. Endlich dann oben angekommen, überkam mich ein Schwall der Freude. Ich liebe eben diese Wanderungen, wo man am Ziel, nach viel Schweiß und Kraftanstrengung, mit irgendetwas belohnt wird, meistens mit einer atemberaubenden Aussicht. Und ja, es hat sich definitiv gelohnt! Der Blick über Georgetown und dahinter über das malaysische Festland waren die Mühe absolut wert. Ich genoss den Ausblick und die kühle Brise ein ganzes Weilchen, stärkte mich mit einer leckeren traditionellen malaysischen Suppe (Penang Laksa) und machte mich alsdann zum Abstieg bereit. Wiedersehen macht Freude oder manchmal auch nicht, als ich wieder die Affentruppe erreichte und passieren musste. Gleiches Spiel wie zuvor. Mein aggressiver Kumpel veranstaltete wieder faxen. Ich probierte es erst gar nicht, trotz eines Stockes in der Hand habend, an ihm vorbeizukommen. Als er mich erblickte, kam er näher und näher, während ich langsam rückwärts wieder bergauf ging. Was machen?! Bisschen hitchhiken! Canadische Zeiten wieder aufleben lassen. Ich musste ein wenig warten, bis überhaupt mal ein Auto bergabwärts kam und mich hinten auf seiner Ladefläche mitnahm. Aber gleich das erste Auto gab mir nen kurzen und ziemlich kurvenreichen Lift. Da ich aber noch ein wenig wandern wollte, ließ ich mich dann an jener Stelle absetzten, wo der Wanderweg durch den Dschungel begann. Den Rückweg kannte ich ja dann.

Abends ging es mit nem Mädel aus dem Schlafsaal meines Hostel zu Chulias Night Food Stalls essen fassen, wo uns ein netter Malaysier uneigennützig und aus purer Nettigkeit uns eine malaysische Suppe, dessen Name ich vergessen hab, spendierte. Später trafen wir dort auch meine Bekanntschaften vom ersten Tag wieder und versackten anschließend bei chilliger Musik und Atmosphäre in einer Bar in der Love Lane.

Bisschen verkatert und gerädert gings am nächsten Tag in den Penang National Park im Nordwesten der Insel bei der Kleinstadt Teluk Bahang. Schon allein wegen der Busfahrt, entlang der Küste, wäre der Tag gelungen gewesen. Aufgrund der vielen schönen Eindrücke während der Fahrt, wich die verkaterte Verstimmung schon bald euphorischer Vorfreude. Der Bus hielt nach ner knappen Dreiviertelstunde fast unmittelbar vor dem Eingang des National Parks, wo viele hilfsbereite Mitarbeiter Auskunft darüber gaben, welche Wanderwege wohin führen und wieviel Zeit man dafür in etwa einplanen sollte. Ich entschied mich für den Wanderweg zum Monkey Beach, um von dort nochmal ein Stücken zum, auf einen Hügel gelegenen, Leuchtturm zu machen. Der Weg zum Monkey Beach war ein ziemlich impressionshaltiger, floara- und faunatechnisch gesehen, sowie szenischer Wanderweg durch den Dschungel, welcher sich permanent am Meer entlanggeschlängelt. Der Schatten der Bäume und die frische Meeresbrise sorgten durchweg für Abkühlung. In den Baumwipfeln sitzende, diesmal friedliche, Affen waren stille Beobachter. Ab und an gabs auch mal einen mindestens anderthalb Meter langen Waran zu sehen. Ziemlich scheu diese, wie Tiere aus der Urzeit aussehenden Reptile. Als ich nach dreieinhalb Kilometern den Monkey Beach erreichte, war ich ein wenig enttäuscht…nicht mehr Affen als sonst wo, relativ schmutzig und haufen Fische, die das zeitliche gesegnet haben, am Strand. Die scheinen hier generell in Südostasien ein Müllproblem zu haben, weder die Strände sind müllfrei noch die Städte, wovon ich erst gar nicht zu reden anfangen brauch. Wobei mein Eindruck ist, dass Thailand wesentlich dreckiger ist. Georgetown ist eigentlich recht sauber, was ich so mitbekommen habe. Für ne Mülltonne muss man nicht ewig suchen und für nach Einkaufsbeutel muss man fragen und bezahlen. Nich so wie in Thailand, wos für jede noch so kleine Kleinigkeit nen Beutel gab. Naja wie dem auch sei, an dem Strand hab ich mich nich weiter aufgehalten, lediglich n paar Fotos geschossen. Umso länger hab ich mich dann den Ausblick vom Leuchtturm genossen. Herrlich ruhig, wenig bis gar keine Menschen, welche die kurze Strecke aber mit relativ steilem Anstieg noch auf sich nehmen wollen. Sind halt lieber eisschlabbernd und softdrinktrinkend am Strand versackt. Mir sollte es Recht sein.

Nachdem ich die Szenerie geistig und medial festgehalten habe, brach ich zum Rückweg auf. Bevor es mit dem Bus zurückging, aß ich noch eine wohlschmeckende indonesische Basko-Hühnernudelsuppe und hatte noch eine nette Unterhaltung mit nem Malaysier.

Auf dem Rückweg ließ ich mich Tanjong Bungah absetzen. Dort hatte, auf der Hinfahrt, die von mir erspähte Moschee auf Stelzen mein Interesse geweckt. Da es mittlerweile schon früher Abend war, hab ich mir nen netten Spot zum chillen ausgeguckt und mir noch den Sonnenuntergang gegeben beziehungsweise was davon zu sehen war, ist halt die Ostküste. Der von mir ausgesuchte Ort lag in nem Hinterhof von einer mehrstöckigen Wohnanlage. Hier gab es das i-Tüpfelchen des Tages: Eine Gruppe, etwa zehnjähriger malaysischer Mädels fragten mich, ob ich mit ihnen Fußball spielen wolle. Na aber logisch, da muss man mich nicht zweimal fragen. Im Abendrot wurde dann also noch ein wenig Fußball gezockt, wobei die kleinen Mädels echt talentiert waren und sich gefreut haben, wenn mit einem Highfive ein Tor honorierend abgeklatscht wurde. Es war eine ziemlich schöne Erfahrung, vor allem, weil wir von anderen Anwohnern beobachtet wurden und wenn ich aufschaute ein herzliches Lächeln geschenkt bekam. Höchst zufrieden über diesen gelungenen Tag fuhr ich inzwischen dunkel geworden mit dem Bus zurück nach Georgetown.

Den letzten Tag im wundervollen Georgetown ließ ich locker lässig bei nem 3D-Art Cappuchino und letztmalig durch die Stadt schlendernd ausklingen. Kurz vorm Sonnenuntergang ging es nochmal zum Penang Hill, wo ich nen Spot auf halber Strecke wusste, wo man nen guten Ausblick über die Stadt hat, um sich den Sonnenuntergang zu geben. Naja besser gesagt, da Richtung Osten blickend, um das Farbspiel der Wolken zu beobachten und um zu sehen wie die Lichter der Stadt angingen.

Die Insel Penang sowie Georgetown gefiel mir in seiner Authentizität und seinem speziellen Flair so verdammt gut, dass aus den vier Tagen zwei volle Tage mehr wurden. Hier passte beinnah alles. Dank des super ausgebauten als auch einfach zu verstehenden Bussystems ist es kinderleicht von A nach B zu kommen und um mehr von der Stadt, seiner Umgebung und überhaupt der Insel zu sehen. Der fast einwöchige Aufenthalt auf der Insel war definitiv ein guter Start in dem neuen Land, auch deswegen, weil hier hier sogut wie alle gutes englisch sprechen können, ist halt Zweitsprache. Bisschen nervig ist allerdings, dieses permanente angegaffe und angesprochen werden der Männer hier, egal ob jung oder alt. Aber naja, mag beziehungsweise werd mich dazu nicht weiter äußern. Ist halt so und ich weiß, ich bin nicht die Einzige, der es so ergeht und es ein wenig annervt. Aber im Allgemeinen sind die Leute hier auch sehr freundlich und hilfsbereit wenngleich sie genauso ein Fahrverhalten gegenüber Fußgängern an den Tag legen wie die Thailänder: Rücksichtslos und in der Regel unzuvorkommend. Scheinen es alle eilig zu haben.

So, obwohl es noch einiges mehr zu erzählen gäbe, solls das erstmal gewesen sein aus Georgetown!

Bleibt gesund!

Julia

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s