Ein ständiges auf und ab…

… so sahen meine letzten Tage aus. Viel ist passiert, viele Eindrücke prasselten auf mich ein, wo ich noch nicht so richtig weiß, wie ich darüber denken soll. Ständig ging es hoch und wieder runter, nicht nur was die Höhe übern Meeresspiegel betraf, sondern auch die Lage der Gefühle, deren Höhen- und Tiefenverlauf einer Sinuswelle glich. Na dann, wollen wir mal anfangen:

Es fiel ein wenig schwer, die wundervolle Stadt Georgetown auf der ebenso wunderbaren Insel Penang zu verlassen. Der Reisedrang trieb mich jedoch vor- bzw. südwärts. Nächster Halt: Tanah Rata inmitten der Cameron Highlands. Das Hochland ist bekannt für seine unzähligen, auf den hügeligen Erhebungen gelegenen Teeplanten. Die Anreise sowohl auch der Empfang waren ziemlich trüb, nass und relativ kühl. Schaute ich aus dem Busfenster, sah ich fast nichts von meiner Umgebung nur den grauen dichten vor sich hinwabernden Nebel. Gut das ich ein paar lange Klamotten mithatte.

Nebst seinem Tee ist Tanah Rata auch bekannt für seine vielen Wanderwege, welche sich durch den moosigen und immer feuchten Regenwald winden. Perfekt für mich! Die Wanderwege sind jedoch ne Nummer für sich: Nach einiger rumfragerei hat man dann mal den Startpunkt des Wanderweges gefunden. Die Wege sind auch ziemlich spärlich präpariert. Vielmehr sinds Trampelpfade, welche durch die hohe Luftfeuchte und dem vielen Regen relativ rutschig und schlammig waren. Trotzdem hat das wandern dort schon gefetzt, auch wenn man nicht immer mit ner Aussicht belohnt wurde. Aber man soll sich ja mit dem Begnügen, was man bekommt und das war in dem Falle der dicht bemooste und jahrtausendalte Regenwald mit seiner herrlichen saftig grünen Pflanzenvielfalt. Es fühlte sich ein wenig wie India Jones an, wenn man teilweise auf allen Vieren irgendeinen steilen wurzelübersäten Hang hinauf klettern musste.

Einst wollte ich jenen Wanderweg einschlagen, der mich zu den Teeplantagen führen sollte. Ich muss sagen, dieser war bis zu dem Punkt wo ich gelangen konnte, der Schönste, da der Weg entlang eines Flusses verlief und ständig das Plätschern des Wassers mich begleitete. Naja es sollte nicht sein, dass ich zu Fuß die Teeplantagen besichtigen konnte. Nein, auf halber Strecke versperrte mir ein bellendes und knurrendes Hunderudel den Weg. Keine Ahnung was die sich inmitten des Regenwaldes da rumgetrieben haben. Aber ja, riskieren wollte ich nichts. Vier gegen eins, zu ungleich war die Chancen- und Kräfteverteilung. Deswegen ging es dann ausnahmsweise mal rückwärts statt vorwärts. Immer die Reviermakierer im Blick behaltend um die nächste Kurze. Nichtsdestotrotz galt es nach wie vor, mein gestecktes Tagesziel, Besichtigung der Teeplantagen, zu erreichen. Die dicht befahrene Straße hatte ich kein Bock entlang zu laufen. Es nützte nix, es musste der gute alte ausgestreckte Arm mit dem nach oben gerichteten Daumen herhalten. Hitchhikingtime! Hat in beide Richtungen echt super und ohne langes Warten funktioniert. Hinzus nahm mich ne Gruppe junger Männer mit, welche gerade auf der Heimreise nach Kuala Lumpur waren und sich auf dem Heimweg noch die Teeplantagen geben wollten. Ich wurde von ihnen auf nen leckeren Cameron Highlands-Tee eingeladen und wir hatten eine nette Unterhaltung. Der Aufenthalt in Tanah Rata war an sich auch deswegen ziemlich schön, ungeachtet dem Wetter, da ich schnell wieder Kontakt zu anderen Reisenden hatte, wobei wir interessenmäßig und für die kurze Zeit alle auf einer Wellenlänge waren.

Landschaftlich war das Umland von Tanah Rata beziehungsweise die Cameron Highlands im Allgemeinen schon beeindruckend. Die Schönheit dieses Hochlandes durfte ich dann endlich bei herrlichem Wetter während meiner Busfahrt nach Kuala Lumpur erfahren. Wirklich, einer meiner schönsten Busfahrten. Der immergrüne Regenwald, die dutzenden unterschiedlichen Palmen- und Baumarten mit ihren mannshohen saftig grünen Blättern, die vielen kleinen Holzhütten in den Hängen und sovieles mehr welche an mir durch die kurvenreiche Fahrt vorbeizuckelte.

Anbei noch ein kurzes Video wer mag: https://1drv.ms/v/s!AsO0oabk8iArgvsNIYNNwXR-yW0PwQ

Nach und nach wichen das hügelige Umland und die wilde grüne Natur dem Flachland und der Zivilisation. In Kuala Lumpur wurde ich von Sonnenschein, gläsernen Betongiganten und Prince mit seinem fetten BMW empfangen. In Kuala Lumpur couchsurfte ich wieder. Hat sich eher spontan ergeben. Was soll ich sagen, was mich hier erwartete und in welches Klientel ich hier hineingeraten bin übertraf jegliche Vorstellungen. Prince, keine Ahnung obs sein richtiger Name ist, hat bisschen viel Geld. Seine Kohle hat er früher als Profifußballer verdient. So richtig reich wurde er allerdings in den Emiraten, wo die stinkreichen Scheichs ihm die Welt zum finanziellen Wohlstand ermöglichten. Prince, welcher strikter Christ ist, ist Abstinenzler aller möglichen Suchtmittel (Alkohol, Tabak sowieso, Kaffee, etc). Er ist nur ein wenig süchtig nach scharfem Essen, was ja nicht allzu verkehrt ist. Der Mittdreißiger hat hart für sein Ziel arbeiten müssen. Mit neun Jahren hat er sein Heimatland Nigeria verlassen um in Europa zum Profifußballer ausgebildet zu werden. Dank harter Arbeit und eiserner Disziplin kann er sich heute einen relativ luxuriösen Lebensstil leisten, welchen er aber nicht großartig zur Show gibt. Heute arbeitet er angeblich als FIFA-Agent, sowas wien Spielervermittler. Aber ich denke, dass ist nur n Alibi… Ob diese ganze Geschichte über ihn überhaupt stimmt, welche ich euch hier auftische, kann ich nicht bestätigen. Man findet ihn nicht im Internet und Bilder von früher wollte er auch nicht herzeigen. Das war auf jeden Fall ein wenig merkwürdig. Wie dem auch sei, Prince holte mich also vom Bahnhof mit seinem schnieken Schlitten ab und wir fuhren zu seinem, in einer gutsituierten Umgebung liegenden, Apartment. Das Apartment bzw. die Residenz wie sich der ganze Gebäudekomplex nennt, wird von dutzenden Securityguards und natürlich Überwachungskameras abgesichert. Die Wachleute salutierten jedes Mal, wenn man sie passierte. Gab mir jedes Mal ein komisches Gefühl. Auch wenn man abends bzw. generell zu Fuß zurückkam, wurde ich stets von einem der Wachleuten bis zu Prince seiner Wohnungstür eskortiert.

Trotz all des Luxus, der mich zeitweise in Kuala Lumpur umgab, fühlte sich diese Welt mit der Zeit doch mehr und mehr falsch an. Wobei es echt mal ne interessante Abwechslung war zu den Hostels und seinen Schlafsälen. Auch war es deswegen ein schöner Aufenthalt bei ihm, weil noch andere Couchsurfer bei ihm waren, sodass man gemeinsam seine Reisegeschichten bzw. -erfahrungen austauschen als auch zusammen Unternehmungen machen konnte. Insbesondere Alex, die verrückte Canadierin aus Toronto wird mir ewig in Erinnerung bleiben. So ein Weib mit sonem schlagfertigen Mundwerk, herrlich. Zudem hat Prince auch unglaublich viel für seine Gäste getan, beispielsweise für die ganze Truppe nen typisch afrikanisches Gericht mit gebackenen Bananen zubereitet oder uns das laute Nachtleben von Kuala Lumpur gezeigt. Sowas ist eigentlich nicht gang und gebe und ich seh es als Privileg bzw. generell die Möglichkeit all diese Erfahrungen während des Reisens machen zu dürfen ist nicht selbstverständlich.

Bevor ich nach Kuala Lumpur bin, hab ich mich ein wenig kundig gemacht, was man außerhalb der Stadt so machen kann. Meine Wahl fiel auf die Erklimmung des 275 Meter kleinen/hohen (je nachdem wie mans nimmt) Bukit Tabur. Ich konnte noch Mira aus München, eine andere Couchsurferin von Prince dazu begeistern. Während die anderen noch schlummerten brachen wir am frühen Morgen auf. Wem wundert’s: Auch hier wieder, wo war der verdammte Eingang?? Die Locals konnten uns aber zum Glück helfen. Trotz der geringen Höhe, hatte der Anstieg es echt in sich. Teilweise musste, wie in Tanah Rata, auf allen vieren hochgekrakzelt werden. Zum Verschnaufen durfte man leider fast nie stehen bleiben, da wir ansonsten von einer Mosquitoarmee zerstochen worden wären. Das letzte Stück konnte ohne die Zuhilfenahme der angebrachten Kletterseile fast nicht geschafft werden. Zugegeben, der Aufstieg war leichter als der Abstieg. Aber wir haben es geschafft und die Aussicht war nicht allzu übel. 😉

Kuala Lumpur als Stadt gesehen ist an sich jedoch recht langweilig. Für die Größe der Stadt gibt es jetzt nicht allzuviel zu sehen. Neben den Batu Caves, eine riesige Höhle, welche von einer ebenso riesigen vergoldeten Buddhastatue bewacht wird war auch die Skyline von Kuala Lumpur mit den seinen Petronas Towers jedes Mal imponierend. Tagsüber als auch bei Dunkelheit. Auch sind die Parks hier ziemlich schön und gute Rückzugsorte von den typischen Klängen der Stadt. Vor allem der unweit von den Petronas Towers liegende KLCC Park ist sehr hübsch und modern angelegt worden. Wer jedoch gern shoppen geht, der kommt hier voll und ganz auf seine kosten. Es gibt dutzender riesiger Shoppingmalls, die wohl fast jeden Wunsch erfüllen. Gerade wenn es regnet, flüchten sich sicher viele Leute in einer solcher Malls. War man nicht an Shopping interessiert, konnte man sich auch bisschen Kultur in einer der vielen Museen geben. Haben Karen (auch ein Gast von Prince) und ich auch getan und haben ein Museum über die islamische Architektur und Historie besichtigt, was im Grunde recht interessant war. Ja, hier hat es jeden Tag richtig heftig geregnet und gewittert. Dann wurde auch schon mal Wasser geschoben. Der Donner ist manchmal echt brachial. Man könnte denken, irgendwo ist gerade ne Bombe hochgegangen. Was aber zum Glück nie der Fall war. Ich brauchte nicht in den Himmel schauen, um zu wissen, dass bald ein Unwetter drohte. Jedes Mal kündigten meine Kopfschmerzen Regen und Donner an. 😉

In Malaysia, insbesondere in Kuala Lumpur, weht auch ein etwas anderer Wind was uns europäische bzw. weißhäutige Mädels anbelangt. An sich sind die Leute hier auch sehr nett und zuvorkommend, vor allem die Männer! Jedoch stellte sich schnell heraus, was sie von einem wollen. Als wäre es das normalste der Welt, fragen sie einen ob man nen Freund hat oder schon verheiratet ist. Egal was man sagt, ja ich hab nen Freund oder nein ich hab keinen, es werden immer weiter W-Fragen gestellt. Sprechen sie einen nicht an, wird man oftmals, als wäre man ein Außerirdischer, angegafft. Scheinbar ist das Teil ihrer Kultur aber das nervt mittlerweile tierisch. Nicht nur ich denk so, sondern auch viele meiner Gleichgesinnten. Aber naja, muss man halt durch. Angeraptscht oder so wurde ich bisher zum Glück noch nicht. Selbst einer der Securityguards, der mir „Begleitschutz“ zu Prince seiner Wohnungstür gab, hat mich einfach mal ganz unvermittelt gefragt ob ich verheiratet wäre. Mein Blick war wohl ein Mix aus Ungläubigkeit, Verwirrtheit und Verständnislosigkeit. So hab ich mich zumindest gefühlt.

Am ersten Tag, als ich auf Erkundungstour in der Stadt unterwegs war und sogar auf ein Bier eingeladen wurde, hat mich diese ganze Ausfragerei noch nicht weiter gestört. Ich war einerseits noch so geflasht von meiner neuen Bleibe und anderseits auch ziemlich euphorisiert davon, wie leicht es war, neue Leute vor allem Locals kennen zu lernen. Denn das hatte ich in Thailand echt vermisst. Mittlerweile vermeide ich lieber Gespräche, was eigentlich schade ist. Aber nach fünf Tagen, jedes Mal mehrmals am Tag die gleiche Erfahrung zu machen bzw. Gespräche zu führen, ist das Fass dann auch mal voll. Aber ja, so ist wohl die überwiegend islamisch geprägte Mentalität der Malaysier.

So kam es dann auch, dass ich während meines zweiten Mal couchsurfing in Kuala Lumpur die Wohnung meiner neuen Bleibe kurzerhand verlassen hab. Ich konnte bei Prince nur die von mir vier angegebenen Nächte bleiben, da danach wieder andere Gäste kamen und kein Platz mehr gewesen wäre. Ich hatte aber noch bisschen was vor, deswegen suchte ich für zwei weitere Nächte wieder sehr kurzfristig nen neuen Gastgeber. Wie beim ersten Mal klappte das auch wunderbar. Anfangs hatten wir eine nette Unterhaltung. Jedoch kamen die Fragen dann beim gemeinsamen Abendessen. Ich kam mir vor, wie in einem Vorstellungsgespräch, wie er die Fragen stelle. Schon da hab ich mich unwohl gefühlt. Als er mir sagte, dass ich am nächsten Tag in seinem Bett schlafen müsse, weil zwei weitere Gäste, ein Pärchen, kommen, spielte ich schon mit dem Gedanken mich am Folgetag zu verdünnisieren. Wenigstens hatte ich eine Nacht, dass abschließbare Gästezimmer für mich allein. Am nächsten Tag bin ich gleich nach dem Aufstehen raus in die Stadt und hab mir mit nem tschechisches Pärchen die Zeit vertrieben. Das Mädel hatte selbst schon oft solche Situationen, dass sie angequatscht wurde und ihr diese nervigen Fragen gestellt worden sind wenn ihr Freund mal nicht in der Nähe war und konnte mein unwohles Gefühl mehr als nur nachvollziehen. Ich erzählte auch von meinem neuen Gastgeber, wie das Abendessen verlief und das ich heute bei ihm im Bett pennen solle. Beide rieten mir, mich schleunigst vom Acker zu machen. So kams dann auch, ich war noch ne Runde im hauseigenen Fitnessstudio joggen und hab dann die Biege gemacht und mich in nen günstigen Hotel einquartiert. Glücklicherweise war er zum Zeitpunkt meines Verlassens nicht da. Trotzdem war der Aufenthalt dort auch ziemlich lohnenswert, was die Lage und die Möglichkeiten des Gebäudes betrafen. Oben auf dem Dach, im 34. Stock, konnte man in einem sogenannten infinity-Pool baden und dabei die Skyline von Kuala Lumpur auf sich wirken lassen.

Aber ja wie dem auch sei, es ist nicht alles Gold was glänzt, geile Aussicht haben und schnell Locals kennen hin oder her. Wenn man sich nicht wohl fühlt, sollte man das machen, was man für richtig hält.

Morgen geht’s dann endlich auch wieder weiter. Hab eigentlich bisschen zu viel Zeit hier in der Stadt verplempert, aber naja. Statt südwärts saus ich morgen noch mal nordwärts, bis fast an die thailändische Grenze. Dort lass ich mich dann von ner Fähre auf die Insel Langkawi bringen. Ich hätte die Insel eigentlich gleich mitnehmen sollen, als ich auf Penang war. Zumal auch ein Großteil meiner Bekanntschaften aus Penang dorthin ist. Warum ich denen nicht gefolgt bin, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Da mir mittlerweile aber auch soviele Malaysier geraten haben, nach Langkawi zu gehen und meine Freunde mir Fotos von der Insel geschickt haben, will ich dieses von allen angepriesene kleine Paradies nicht missen wollen und mir selbst ein Bild davon verschaffen.

So, das wärs erstmal wieder fürs Erste. Bleibt gesund und bis bald!

Julia

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