Volles Kontrastprogramm

Cheers Leute! Wie unaufhaltsam doch die Zeit rast. Von der wundervollen Insel mit ganz viel Natur, gings weiter in die historische Kleinstadt Melakka um anschließend in die wurzellose Megametropole Singapur weiterzureisen. Von Singapur ging es dann via Luftweg in den Norden Thailands… Aber alles schön der Reihe nach…

Nach dem Abschied von meinen Freunden auf Langkawi und dem kleinen Inseljuwel selbst, ging es mit dem Nachtbus in die historische Kunst- und Kulturstadt Melakka. Vom Fährhafen in Kuah brachte mich die letzte Fähre rüber aufs malaysische Festland, nach Kuala Perlis. Mit ner halben Stunde Verspätung fuhr mein Bus im Busterminal gegen 21:45 Uhr ein. Knapp 11 Stunden sollte die Busfahrt dauern, in welcher ich nicht wirklich Schlaf fand. Die Busse hier sind zwar relativ komfortabel mit viel Beinfreiheit und sehr weit nach hinten verstellbarer Lehne, jedoch machten andere Gegebenheiten es unmöglich, in den Schlaf zu fallen. Es war Arschkalt, die Leute um mich herum schnarchten um die Wette oder zogen ihre Rotze bis zum Anschlag bis ins Gehirn hoch und ab und zu klingelten lautstark irgendwelche Handys. Ich wusste schon, weshalb ich Nachtbusfahrten hasse und von mir bisher immer vermieden wurden. Dank meiner kleinen „organisatorischen Planungspanne“, Langkawi nicht gleich nach Penang mitzunehmen, musste ich nun da durch. Aber naja, habs ja überlebt und gibt weitaus schlimmeres.

War es im Bus frostig kalt, so schlug mir beim Verlassen des Busses eine unglaublich stehende Wärme entgegen. Na wunderbar, wenns am morgen schon so unangenehm heiß ist, wie soll denn erst der Tag werden?! Ganz logisch! Noch viel heißer!! Bei brütend heißen sonnigen 34 Grad erkundete ich, nach einchecken und Abgabe meines Zeugs im Hostel, die seit 2008 auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbe geführte Stadt Melakka. Beim herum laufen hatte ich allgegenwärtig das Gefühl, augenblicklich dahin zu schmelzen. Denn der Asphalt unter, als auch die Betonwände der Häuser neben mir, gaben ihre gespeicherte Sonnenenergie mit den wärmsten Grüßen wieder an ihre Umgebung ab. Trotz des Schlafmangels und der Hitze fühlte ich mich ausgesprochen fit und munter und schaute mir das an, was die Stadt so zu bieten hat: Viele historische Kirchen und Überbleibsel alter Verteidigungsmauern europäischer Siedler. Die Gässchen und vor allem die Flusspromenade in der historischen Altstadt hatten es mir angetan. Relativ schmal, mit bemalten Hausfassaden und vielen kleinen Lädchen, wie Kunstgalerien bzw. -ateliers, kleine süße Cafés sowie Restaurants, Souvenirläden und vieles mehr. Erinnerte ein wenig an Georgetown. Die berühmteste als auch beliebteste Straße der Stadt ist wohl die Jonker Street, welche allerdings erst so richtig ab 18 Uhr zum Leben erwacht. Um diese Uhrzeit heißt es täglich: Nachtmarktzeit. Auf schätzungsweise 750 Metern Länge werden alle Sinneswahrnehmungen gefordert: Es gibt massenhaft zu sehen und zu entdecken, Krimskrams als auch Leckereien. Kommt von der einen Seite der Geruch von gegrillten Fleisch in die Nasenlöcher geströmt, wird dieses sogleich vom milden Aroma der Räucherstäbchen des nächsten Standes übertüncht, um beim nächsten Atemzug den Geruch von frisch gefangenen Fisch in der Nase zu haben. Bringt von der einen Seite das Zischen von, in siedend heißes Öl geworfene Fleisch die Ohrmuschel zum Vibrieren wird die Frequenz unmittelbar durch das Lautstarke dudeln irgendeiner Melodie von der anderen Seite erhöht. Ja, der Jonkerstreet-Nachtmarkt war ein irgendwie ein wenig anders als die unzähligen zuvor von mir besuchten Märkte. Aber keineswegs schlechter. Auf jeden Fall war es der vollste. Lag vielleicht auch daran, dass ich Melakka während des langen Osterwochenendes besucht hatte. Da war die Stadt im Allgemeinen sehr gut besucht.

Tagesbeschäftigung war tatsächlich nur in der Stadt herumzuschlendern, das historische Flair aufzusaugen und in diverse Kunstartikelläden /-galerien einen Blick hineinzuwerfen. Doch diese nostalgische Grundstimmung wurde einmal kurz gestört. Ich war gerade dabei das Gelände einer der ältesten Kirche der Stadt, beziehungsweise was davon noch übrig geblieben war, zu verlassen. Da sah ich sie oder besser gesagt einen davon, vor den Mauern der 1710 erbauten St. Peter’s Church sitzend: Die westlichen Schmarotzer der Neuzeit! Kurz zuvor hab ich noch einen Artikel über diesen neuen „Trend“ gelesen und schwuppdiwupps hatte ich einen dieser Konsorten vor mir sitzen. Die Rede ist von den sogenannten „begpackern“, worüber ich mich mal kurz auslassen muss. Begpacker sind Rucksacktouristen, die auf der Straße, ohne wirklich eine Gegenleistung anzubieten, um Geld für ihre (Welt-)Reise betteln. Da saß er nun ganz dreist auf dem St. Pauls Hügel im Schatten der historischen St. Peters Kirche. Vor sich ausgebreitet waren eine Weltkarte, Postkarten die er verkaufte, ein Pappschild wo er sein Anliegen kundtat, welches im kurzen so zu übersetzten ist: Unterstützt uns bei meiner Weltreise ohne Geld. Warum uns, du bist doch bloß einer?! Die Situation war irgendwie bizarr. Erstens, saß dieser junge Bursche seinen Arsch vor den heiligen Mauern der ältesten Kirche der Stadt breit. Und zweitens, gleich neben ihm spielte und sang ein Musiker leidenschaftlich seine Gitarre. Ich konnte mir dieses Schauspiel nicht länger geben. Ich musste gehen. Jedoch nicht ohne dem Musiker noch ein wenig Kleingeld in seine Spendenbox zu werfen. Einen Tag später sah ich den Typen wieder. Diesmal in Gesellschaft eines jungen Mädels vorm Gebäude des H&M. Ahja, deshalb also uns. Abermals wurde versucht Postkarten zu verkaufen. Es geht aber auch noch dreister. Mancherorts wurden schon begpacker gesehen, welche nebenbei an ihrem iPhone rumspielten, ihr geschriebenes Anliegen-Pappschild mit ner teuren Spiegelreflexkamera gegen das fortwehen absicherten oder einfach mal überhaupt nix zu bieten hatten. Jene, die ich gesehen hatte, versuchten wenigstens irgendwas zu verkaufen, wo bzw. wie auch immer sie an diese Postkarten gelangten. Trotzdem, in meinem Augen ziemlich bescheuert. Warum echauffiere ich mich so? Ganz einfach, ich hab dafür kein Verständnis. Es gibt genug Möglichkeiten günstig zu reisen ohne dabei verhungern zu müssen odne weniger vom Land zu sehen. Die wohl simpelste Antwort lautet aus eigener Erfahrung: wwoofing – Freiwilligenarbeit gegen Kost und Unterkunft. Auch hier, in Südostasien, ist das möglich. Manche bevorzugen es aber lieber rumzuschmarotzern, scheinbar ohne sich dabei blöd vor zu kommen. Zumal ists auch ziemlich respektlos gegenüber den, im Vergleich zu den Westlern, armen Einheimischen. Manche von Ihnen reißen sich den Allerwertesten auf, um sich und ihre Familie existentiell durchzubringen. Naja, wie dem auch sei, ich finds halt richtig Scheiße… wer kein Geld zum Reisen hat, sollte es lassen oder anderweitig einen klugen Gedanken bringen um sich das Reisen zu ermöglichen. Aber bitte nicht so. Okay gut, belassen wirs dabei.

Alles in allem war mein Aufenthalt in Melakka ziemlich angenehm. Von der Affenhitze mal abgesehen. War mal wieder ein ganz anderes Programm als die zwei Inselwochen zuvor. Kulturprogramm eben. Da mein Hostel unmittelbar am Fluss gelegen war, war es einfach, in die Altstadt zu gelangen, der Fluss wusste stets den Weg. Ich lief gern entlang des Flusses, da die meisten Hausfassaden mit Bemalungen verziert waren und viele bunte gut riechende Blumen und kleine Bäumchen den Weg zierten. Zudem hat Melakka einen relativ sauberen Grundcharakter. Überall stehen Mülleimer für den Abfall der Menschen bereit. Diverse Hinweisschilder erinnern daran, wohin der Müll gehört und mahnen, dass die Stadt sauber gehalten werden soll. Dieser Grundgedanke ist sehr löblich für eine asiatische Stadt.

Melakka war auch meine letzte malaysische Station. Von der kleinen UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt ging die Busfahrt weiter in den Stadt- und Inselstaat Singapur. Vor weg gesagt: Die 5,6 Millionen Einwohner-Megametropole hat mir tatsächlich ganz gut gefallen. Lag vielleicht auch daran, dass es einen sehr westlichen Charakter hat. Singapur ist, wie man des Öfteren hört und liest, wirklich sehr sauber. Die Infrastruktur im Allgemeinen ist super ausgebaut und die Regelmäßigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel fährt hochfrequentiert, was das von A nach B kommen sehr einfach gestaltet. Sowieso geht die Politik von Singapur dahingehend, dass mehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgegriffen werden soll. Deshalb sind hier Autos recht teuer, da die Regierung massenhaft Steuern und bei importierten Fahrzeugen noch nen ordentlichen Zollaufschlag draufpackt. Für mein Empfinden fruchtet diese Politik. Denn für eine Stadt solcher Größe war der Verkehr auch zu den Stoßzeiten recht gering. Insgesamt ist die Stadt tatsächlich doch sehr umweltbewusst als auch auf Effizienz ausgerichtet. Singapur kann wirklich als Vorzeigestadt, was vorgenannte Punkte betrifft (sicher noch einiges mehr) fungieren. Die Stadt gehört mit zu den Städten mit den höchsten Lebenshaltungskosten. Dies kann gerade für die älteren und pflegebedürftigen Singapurer ein wenig problematisch werden. So ein Altenpflegeheimplatz soll wohl nicht ganz so günstig sein, weswegen mein 60-jähriger Sitznachbar im Bus von Melakka nach Singapur vorsorgehalber schon ein bebautes Grundstück im viel kostengünstigeren Malaysia gekauft hat, wohin er irgendwann umziehen wird. Altersvorsorge mal anders.

Nachdem ich in meiner Unterkunft in dem Stadtteil „Little India“ angekommen war, war es bereits früher Nachmittag. Dank des jungen maschinenbaustudierenden Pärchen aus Aachen, welche mit in meinem Zimmer schliefen, hätte der verbleibende Nachmittag bzw. Abend meines ersten Tages in Singapur nicht besser verlaufen können. Sie waren gerade dabei, sich auf den Weg nach Sentosa-Island zu machen. Da ich kein Plan hatte, was ich den Rest des Tages veranstalten sollte und ihre Beschreibung mein Interesse weckte, leistete ich ihnen Gesellschaft. Sentosa ist eine künstlich angelegte Insel im Süden von Singapur. Neben schönen von Palmen umsäumten Sandstränden, einigen Hotels, Geschäften, nen riesiges Spielparadies für Kinder, die Löwenstatue „The Merlin“ beherbergt die Insel auch den südlichsten Punkt des asiatischen Festlandes. Da der Sonnenuntergang kurz bevor stand, chillten wir uns an den Strand und bestaunten den spektakulären Sonnenuntergang. Vermutlich war der Horizont diesmal der 142 Kilometer von Singapur entfernte Äquator.

Nach der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien im Jahre 1963 und zwei Jahre später, im Sommer 1965 von Malaysia, hat Singapur endgültig an Souveränität gewonnen. Seitdem ist die wirtschaftliche Entwicklung des kleinen Stadt- und Inselstaates kaum zu bremsen. Die Turbo-Entwicklung zeigt sich insbesondre in der Skyline, welche überwiegend von Bankgebäuden geziert wird. Auch sind viele der Attraktionen ziemlich modern und muten recht futuristisch an. Wie beispielsweise der Garden by the Bay mit seinen teilweise 22 Meter hohen Stahlkonstrukten, die wie Bäume aussehen und an deren Geländer die unterschiedlichsten Pflanzen sich emporranken. Jeden Abend findet zweimal täglich eine mehrminütige beeindruckende Musik- und Lichtershow statt. Leider ist mein Zeitmanagement nicht mehr das Beste, weshalb ich immer zu spät kam und lediglich nur die letzten Sekunden davon gesehen hab. Insbesondere auch das Wahrzeichen der Stadt, das wie ein Schiff aussehende Luxuhsotel „Marina Bay Sands“ hat etwas zukunftsweisendes.

Wer die Natur sucht, der kommt hier definitiv auch voll und ganz auf seine Kosten. Singapur bietet einige sehr schön angelegte Parks mit einer riesigen Pflanzenvielfalt, wie eben den zuvor erwähnten Gardens by the Bay, den riesigen botanischen Garten im Herzen der Stadt oder den Komplex der Southern Ridges. In Letzterem verbrachte ich mehrere Stunden, denn die Southern Ridges haben für den, von den typischen Stadtgeräuschen ruhesuchenden Besucher allerhand zu bieten. Erst ging es auf dem Forest Walk auf Augenhöhe mit den Baumkronen durch den Park, um dann über die Henderson Waves zum Faber Viewpoint zu gelangen.

Zum Abschied meines Singapurbesuchs wartete noch ein Highlight auf mich. Am Mittwochabend ging es auf die Rooftopbar Cé La Vi in der 57. Etage des Marina Bay Sands. Jeden Mittwoch ist da Ladysnight, wo es für jeden weiblichen Besucher ein Freigetränk ihrer Wahl gibt. Ja es hat auch mal Vorteile, eine Frau zu sein. 😉 Bei dröhnender Clubmusik, einem gratis Vodka-Cola, einer netten Unterhaltung mit einem deutschen Pärchen und mit einem grandiosen Ausblick über die Skyline ließ ich meinen Singapuraufenthalt ausklingen.

Nun war ich also ganz im Süden des asiatischen Festlandes angelangt, what’s next??? Mit dem Flieger gings wieder zurück nach Thailand. Diesmal aber gleich in den Norden, nach Chiang Mai. Wo hoffentlich schon die Elefanten und mit Sicherheit endlich wieder gaaaanz viel frisches und leckeres Obst sowie Fruchtshakes an jeder Straßenecke auf mich warten!! Das habe ich ehrlich gesagt in Malaysia ein bisschen vermisst.

Also denn, bis demnächst!

Julia

P.S.: Der erste Eindruck von Chiang Mai ist super!

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