Backpackerparadies Pai – Nordthailand Teil II

Man oh man, was war das für eine extremst hügelige und kurvenreiche Fahrt von Chiang Mai nach Pai. Nicht verwunderlich, dass es da schon mal passieren kann, dass der ein oder andere, sich seine letzte Mahlzeit noch mal ausgiebig durch den Magen gehen lässt. Die möchtegern Rennfahrer der Minivans nehmen darauf natürlich absolut keine Rücksicht. Als gäbe es irgendeine inoffizielle Rekordzeit aufzustellen oder gar zu brechen, wurde mit einem Affenzahn durch die Kurven gedonnert und am Rande der Sicherheit wurden waghalsige Überholmanöver vollführt. Das in dem Van angebrachte und durchaus berechtigte Hinweisschild fand ich daher ziemlich amüsant. Hab noch nie so ein Schild gesehen, wo darauf hingewiesen wird, dass man sich seinen Kotzbeutel doch bitteschön selbst mitbringen soll und das bei Beschmutzung des Wageninneren durch Mageninhalt 600 Baht (rund 15 Euro) fällig werden. Zum Glück blieb bei uns alles sauber. Das war vor knapp zwei Wochen….

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Oh wow,… bin ich tatsächlich schon so lange in dem von Bergen umgebenden Pai versackt?! Ja! Ob ich vergessen habe weiterzureisen?! Keineswegs!!! In Pai hats mir einfach ziemlich gut gefallen. Ich hatte auch erstmals das Gefühl, so richtig in Thailand angekommen zu sein, psychisch gesehen. Obwohl der Stadtkern vom Tourismus geprägt ist und nicht mehr viel mit Thailands Ursprünglichkeit gemein hat, so hat es mir hier vielmehr die Natur sowie das paiische Hinterland, dem durchaus noch thailändische Authentizität inne wohnt, angetan. Zudem war es nicht nötig alles via organisierter Tour zu machen. Wer des Scooters fahren mächtig ist, kann einiges an Geld sparen als auch seine Touren individuell selbst gestalten.

Pais überschaubares Stadtzentrum prägen deshalb unzählige Motorradverleihshops, dutzende 7-Eleven-Minishops, Travelagenturen, kleinere Bars aus denen Reggaemusik tönt, wie auf Federn daher wippende Western-Hippies sowie Thai-Rastas, und, so auffällig wie in keinem anderen Ort: an den Armen und/oder Beinen bandagierte oder auf Krücken daher humpelnde junge Backpacker. Vermutlich zu 99% zurückzuführen auf Motorradunfälle. Ob Fremd- oder durch Übermutigkeit resultierendes Eigenverschulden, darüber mag ich nicht urteilen.

Die Umgebung Pais wartet mit viel Natur auf. Sieht aber leider derzeit, aufgrund der Trockenperiode, alles, sofern keine Wasserquelle in der Nähe, etwas trist und karg aus. Sobald die Saison allerdings passt, ist Pai auch angebotsmäßig, was die „AbenteuerFreizeitaktiviäten“ anbelangt recht gut aufgestellt. Momentan sieht‘s halt auch dahingehend etwas mau aus. Beispielsweise ist Wildwasserrafting aktuell nicht drin. So ist das eben nun mal, während der Trockenzeit, wo das Quecksilber schon mal die 40 Grad Marke durchbrechen kann. Trotzdem tat es meiner persönlichen Freizeitgestaltung und die Aufbereitung meines Fitnesslevels keinen Grund zum Abbruch.

Die Grundstimmung im Örtchen selbst war ziemlich gediegen. Logisch, die Kleinstadt gilt auch als HippieAussteigerStadt und das Preisniveau ist verdammt tief. Etwa halb so teuer wie im Süden Thailands, dem Strand-und Inselparadies der westlichen Pauschalurlauber, die mit ihrem ganzen Trinkgeld gegebe das Preisniveau künstlich angehoben haben. Obwohl Pai mittlerweile auch krass auf Tourismus geeicht ist, gefiel‘s mir in dem Städtchen von der ersten Minute an richtig gut, sodass ich mich schon nach wenigen Tagen entschied, hier für ein wenig länger zu bleiben. Keine nervigen Rufe von der Seite, ob man dies und das kaufen will, diese oder jene Tour machen will und allgemein keine schiefen Blicke von den Einheimischen. Das tat echt gut. Ich konnte meinen Interessen nachgehen und mir Sachen anschauen ohne mich dabei hetzten zu müssen. Ich befreundete mich zudem mit dem netten jungen Besitzerpärchen meines Hostels, mit dem Ire John – dem Eigentümer des Secondhandbuchladens – sowie mit dem US-Thai-Pärchen Ed und Pam, den neuen Besitzern von Pai Adventures. Zudem hatte ich mehrere Tage angenehme Kompanie mit dem aus Zürich kommenden Jan.

Trotz fehlender Lizenz, mietete ich mir selbstverständlich auch in Pai wieder nen Roller an. Dank des supernetten Besitzers meines Hostels, der mir auf der Karte aufzeigte wo die Polizei abkassierte, wusste ich, welche Straßen ich zu meiden hatte ohne erneut nen Knöllchen zu bekommen. Ich düste zu den unterschiedlichsten Orten und genoss dabei mit einem Lächeln der Freiheit auf den Lippen die herrliche, im kühlenden Fahrtwind, an mir vorbeiziehende hügelige Landschaft.

Ausflugsziele waren unter anderem und zu unterschiedlichen Tageszeiten der Pai Canyon sowie der Yun Lai Viewpoint. Beides geniale Spots, um bei ersterem den Sonnenuntergang und bei letzteren den Sonnenaufgang anzuschauen. Weitere, besuchenswerte Orte sind, ein auf einer Anhöhe sitzender weißer Buddha, diverse Wasserfälle, welche derzeit aber nicht allzu viel Wasser führen – zumindest Jene, die für die Touris einfach und mühelos zugänglich sind – der tagtägliche ab 18 Uhr öffnende Nachtmarkt auf der „Walking Street“, die über den (ausgetrockneten) Reisfeldern verlaufenden Bambusbrücken, sowie der „Land Split“. Letzteres ist jenes Gebiet, wo meterhohe Risse in der Erdkruste Zeugnisse der drei Erdbeben der vergangenen neun Jahre sind. Als zusätzliche Nebenattraktion gibt es dort noch eine Art kleinen Biogarten, wo die unterschiedlichsten Früchte, Gemüsesorten und Kräuter ohne Zugabe von Düngemitteln gedeihen. Die Produkte der Pflanzen werden zu diversen Snacks und Säften verarbeitet und dem Land Split-Besucher zur kostenlosen Verköstigung angeboten. Da sag ich natürlich nicht nein. Zu einer kleinen Spende ließ ich mich aber berappen.

Glücklicherweise führten nicht alle Wasserfälle so erbärmlich wenig Wasser wie der Mor Paeng und Pam Bok Wasserfall. Nein, zwei hatten tatsächlich und überraschender Weise, der Trockenheit zum Trotz, einen immensen Wasserlauf. Das waren eben Jene, die nicht so einfach zu erreichen waren. Von dem etwas außerhalb der Stadt gelegenen und nicht so einfach zu findenden Hua Chang Wasserfall erfuhr ich auch nur zufällig durch die Besitzer von Pai Adventures. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag und sie brachten Jan und mich, ihnen auf unseren Scootern folgend, zum „Startpunkt“. Etwa eine Stunde und mehre Male flussdurchkreuzend wanderten wir dann noch mal zum Wasserfall. Der Hua Chang Wasserfall ist auch nirgends in den hier überall ausgehändigten selbstgestalteten Tourismus-A4-Blätter-Karten verzeichnet und ist somit ein echter Insidertipp. Eben deswegen, waren wir auch die einzigen an diesem tösend schönen Ort.

Jedoch benötigt man nicht für alles nen Scooter. Der Mae Yen Wasserfall, ist von Pai aus fußläufig zu erreichen. Der Wanderweg beginnt zwei Kilometer außerhalb der Stadt und der zum Wasserfall führende Trail ist nochmals sieben Kilometer lang. Wie auch beim Hua Chang Wasserfall Trail muss auch hier der Fluss unzählige Male durchquert werden. Was einem als Abkühlung mehr als nur gelegen kam. Drei Mal, zwei Mal allein und einmal mit Jan, wanderte ich diese, insgesamt 18 Kilometer lange Strecke zum Wasserfall. Warum? Ganz einfach, weils menschenleer und so schön idyllisch war. Nicht nur der Wasserfall selbst, wo wir sogar drin baden konnten, sondern auch der zum Ziel hinführende Weg. Der stetig gut wasserführende Flusslauf sorgte zum einen für musikalische Umrahmung als auch dafür, dass die unmittelbare Umgebung stets ein saftiges Grün darbietet und die Blätter der Bäume als permanente Schattenspender fungieren. Als ich das erste Mal den Weg auf mich nahm, war ich vermutlich die Erste des Tages, die die Wanderung zu dem Wasserfall antrat. Nicht umsonst hätten mir die zwei Hunde, welche ich einfallslos Black und White nannte, die ganze Zeit über Gesellschaft geleistet. War allerdings ganz praktisch die zwei Kumpels an meiner Seite zu haben, denn sie machten diese Wanderung sichtlich nicht zum ersten Mal. Sie wussten wos lang geht und zeigten mir den richtigen Weg. War manchmal nicht auf den ersten Blick ganz klar, wo es, nach Durchquerung des Flusses, weitergeht. Ein Teil des Weges mit meinen zwei Kumpels anbei in bewegten Bildern: https://1drv.ms/f/s!AsO0oabk8iArg5EvwdZ2HWgRSiSPlw

Und hier gibt’s die statische Version von beiden Wasserfällen:

Als Jan und ich einst von dem enttäuschend wenig Wasser führenden Mor Paeng Wasserfall auf den Rückweg nach Pai waren, wiederfuhr uns eine schräge Situation. Wir fuhren so mir nichts dir nichts ahnend um die nächste Kurve und sahen sie, etwa hundert Meter vor uns: Vier schwarz uniformierte und mit Pistolen bewaffnete Polizisten. Ohr nee eh, nich schon wieder ne Polizeikontrolle. Ich hatte kein Bock schon wieder blechen zu müssen. Jan ebenso wenig, da er auch keinen Führerschein der Klasse A beziehungsweise A1 vorweisen hätte können. Von weiten winkten uns die Polizisten schon heran. Wir wollten aber, da leicht in Panik geraten, unserem ersten Instinkt folgend eine 180 Grad Kehrtwendung machen und abhauen. Die checkten natürlich sofort was wir vorhatten. Wir sahen, beim herumdrehen unserer Lenker, dass ihr Griff sofort zu ihren Halftern ging. Na gut, beschossen zu werden, na darauf hatten wir noch weniger Bock. Also gut, stellten wir uns. Es kam aber ein wenig anders. Es war keine Führerscheinkontrolle, sondern eine Drogenkontrolle. So und dazu eine kleine Erläuterung wie das hier abläuft, denn auf dem Hinweg war dieser Checkpoint noch nicht aufgestellt gewesen: Auf dem Weg zum Wasserfall stehen hier und da ein paar verballert aussehende Typen am Straßenrand, die dir, indem sie an einer fiktiven Zigarette ziehen, andeuten, dass es hier irgendwas zu kaufen gibt. Höchstwahrscheinlich Gras und sicher noch anderes Zeugs. Drogen sind in Thailand übrigens illegal und deren Besitz etc. kann unter krassen Umständen auch zur Todesstrafe führen. Wie dem auch sei, wir ignorierten diese komischen Gestalten einfach und fuhren an ihnen vorbei. Scheinbar hatten aber andere, auf dem Hinweg zum Wasserfall, bei ihnen etwas erworben. DENN: Sobald jemand bei ihnen Drogen gekauft hat, funken sie die Bullen an. Daraufhin wird eine Straßensperre errichtet, wo man unweigerlich auf dem Rückweg durchmuss. So, dann kommt also dieser nichtsahnende und vermutlich schon in einer anderen Welt schwebende Tourist/Backpacker mit seinem restlichen Drogenzeugs im Gepäck dahergesaust. Mitten hinein ins Unglück. Was genau geschieht, wenn sie jemanden unter Drogen oder Drogenbesitz raus ziehen weiß ich nich. Höchstwahrscheinlich eine zum Heulen anmutende hohe Geldstrafe. Natürlich entwenden die Bullen ihnen auch die Drogen. Und jetzt kommt’s… das „erbeutete“ Drogengut geben sie, angeblich, den Dealern wieder zurück. Warum es wieder zurückgeben wird und ob es tatsächlich stimmt, weiß ich nicht mit Gewissheit. Auch weshalb die Dealer nicht belangt werden… Auf diese Frage habe ich ebenso wenig eine Antwort bekommen. Aber das die Unglücksware wieder an die Dealer zurückgeht soll wohl tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Denn Ed, der in der Nähe wohnt, und das schon dutzende Male beobachtet hat, weiß wie dieses korrupte Geschäft abläuft. Korrupt hin oder her, die Farangs (abwertender Begriff für uns, die weißhäutigen westlichen Touristen) habens ja. Ergo: win-win-Situation für die pfiffigen aber nicht ganz sauberen Thais.

In Pai realisierte ich mir auch den zweiten großen, mit auf die Reise genommenen „Punkt“. Es ging zu den Elefanten!! Auf Empfehlung meines Kumpels René, mit welchen ich mehrere Tage auf Südthailands Insel Koh Jum abgehangen habe, ging ich zur der Nichtregierungsorganisation „Conserve Natural Forest“. Deren ins Leben gerufene Hauptaufgabe ist es, den Waldbestand wieder aufzuforsten. Tagtäglich pflanzen sie dutzende unterschiedliche neue Bäume. Letztes Jahr waren es rund 190-Tausend. Ziel in diesem Jahr ist es, die 250-Tausendermarke zu knacken. Sportliches Ziel, zu welchem wir am Ende sogar noch aktiv beitragend durften. Aber nicht nur die Wiederherstellung der Flora ist ihnen wichtig. Nein, auch das Wohlergehen und die artgerechte Haltung von Elefanten liegt den Verantwortlichen dieser Organisation am Herzen: Vor anderthalb Jahren kauften sie zwei Elefantendamen, Elefantenmutter mit Tochter, aus einem Elefantencamp frei. Zu diesen Camps später mehr… Die Betreiber des Conserve Natural Forest erzählten uns, dass die beiden Elefanten in einem katastrophalen körperlichen Zustand waren: Zugeschwollene Augen, unterernährt und die Beine von den rostigen Fußketten völlig zerschunden. Ihre psychische Verfassung war, wem wundert’s, nicht besser. Sie legten ein total schreckhaftes und devotes Verhalten an den Tag. Dank liebevoller Pflege und einer elefantengerechten Haltung in der (noch) umzäunten Wildnis, und nicht mehr auf Betonboden unter einem Wellblechdachverschlag stehend und beinfesseltragend, wurden diese friedvollen Tiere nach und nach wieder aufgepäppelt. Äußerlich zeugen jedoch noch ihre ausgefransten Ohren, welche von den Schlagstockhieben der ElefantencampGuides resultieren, von deren schrecklichen Misshandlungen in der Vergangenheit.

Nun geht es den beiden Elefanten zum Glück ziemlich gut. Sie haben sich psychisch und psychisch gut rehabilitiert und haben genügend Freilauf. Jeden Tag kommen Freiwillige, so wie ich und meine Gruppe, um die Betreiber des Conserve Natural Forest zu unterstützen beziehungsweise ein wenig zu entlasten. Wir fütterten die Rüsseltiere mit Bananen und Minikürbissen, liefen mit ihnen gemeinsam zum Fluss, um sie darin zu waschen. Genossen haben die beiden Ladys das definitiv, wie wir sie mit vollem Elan und Körpereinsatz mit Wasser bespritzt und abgeschrubbt haben. Allerdings brachte die Waschung nicht allzu viel, da sie sich kurze Zeit später schon wieder mit Dreck bewarfen um sich gegen die Gnadenlosigkeit der Sonne zu schützen. Es sei euch verziehen. Euch Dickhäuter macht diese brutale Hitze sicher auch zu schaffen.

Gefräßig sind diese Kolosse, sag ich euch. Aber klar, diese tonnenschweren Vegetarier müssen auch täglich circa 200 Kilogramm an Nahrung aufnehmen um nicht vom Stamm zu fallen. Deren bester Freund bist du, wenn du ihm irgendwas leckeres und Essbares in den Rüssel legst. Sobald du aber nix mehr für sie hast, was nach Essen aussieht, verlieren sie urplötzlich das Interesse an dir, wenden sich ab und stapfen zum nächsten Baum oder Busch um dort ihrer Tagesbeschäftigung weiter nachzugehen. Das ist echt irre, was für eine ungeheure Kraft in ihren Rüsseln steckt, ganze kleine Bäume legen die manchmal um. Kein Wunder bei 100.000 einzelnen Muskeln allein im Rüssel. Die Dickhäuter in Aktion: https://1drv.ms/f/s!AsO0oabk8iArg5EuEp_4GGjSwlPZBg

Ziel der Betreiber des Conserve National Forest, hinsichtlich der Elefanten, ist es, die beiden dickhäutigen Damen irgendwann in einen Nationalpark in die richtige Freiheit zu entlassen. Momentan ist dies aber nicht möglich, da beide trächtig sind. Normalerweise dauert die Schwangerschaft bei Elefanten 22 Monate. Die Tochter ist eigentlich schon längst fällig und ist bereits mehrere Wochen drüber. Wie man uns sagte, wäre das für solche riesigen Säugetiere aber nicht ungewöhnlich. Jedenfalls war es unübersehbar, dass die Elefantentochter hochschwanger ist. Was für eine dicke Murmel sie mit sich rumschleppte. Am besten sah man es von der Frontalbetrachtung, also wenn man vor oder hinter ihr stand. Wie, als hätte sie zwei riesige Ballons verschluckt, wölbte sich ihr Bauch zu beiden Seiten. Trotz, dass beide schwanger waren, waren sie doch recht smooth und gechillt drauf. Tolle Tiere! Achja genau, sobald die beiden Elefantendamen dann ihren Nachwuchs zur Welt gebracht und die Jungtiere ein entsprechendes Alter erreicht haben, werden die vier in die endgültige Freiheit entlassen.

Leider musste ich auch einst kurzzeitig mit ansehen, wie Elefanten unter keinen Umständen behandelt werden dürfen. Ich fuhr gerade meinen kleinen Umweg um nicht erneut in eine FührerscheinPolizeikontrolle zu geraten, als mir zwei Elefanten auf der Straße entgegenkamen. Auf deren Rücken hatten es sich jeweils drei Personen gemütlich gemacht. Zwei ekelhaft glücklich grinsende Touris auf dem, um den Bauch des Tieres, umschnallten „Sitz der grausamen Gemütlichkeit“ sowie der schon fast auf dem Nacken sitzende schlagstockbewaffnete Guide, der vermutlich nicht zimperlich ist oder gar zögert, wenn der Elefant mal nicht „gehorcht“ sondern seinen natürlichen Instinkten folgen möchte. Ich bekomm das echt nich in meinen Kopf hinein, wie man diese so friedlichen Tiere so widerlich behandeln kann. Aber ja, wir Menschen maßen uns generell viel zu viel auf dieser Welt an, auch Tierquälerei gehört leider dazu. Nichts anderes ist das, was da mit den Elefanten veranstaltet wird. Bedauerlicherweise unterstützen viel zu viele dumme Menschen diesen Missbrauch auch noch, in dem sie solche Angebote überhaupt annehmen. Die Menschen sind echt manchmal viel zu unterbemittelt und nicht zuletzt sensationsgeil um zu begreifen, dass es einfach mal mehr als verkehrt ist, was da abläuft. Aber Hauptsache mal auf nem Elefantenrücken gesessen haben und sich, von eines der größten Säugetiere der Welt, durch die Straßen Pais chauffieren lassen. Wie muss das unerträglich für diese tonnenschweren Tiere sein, auf ungedämpften Untergrund, wo ständig Autos und Motorräder an ihnen vorbei fahren, diese glücklich grinsenden Hohlköpfe durch die Gegend zu tragen. Einfach nur ekelhaft und eine Riesenschweinerei. Tja, aber solange die Nachfrage dafür besteht, wird es sowas leider weiterhin geben. Bedauerlicherweise ist es „nur“ ein Beispiel von vielen. Es geht aber einem da schon nah, wenn man dieses folgenlose Verbrechen mit den eigenen Augen zu sehen bekommt. Konnte nur kopfschüttelnd und mitleidig an Tier und Mensch vorbeifahren.

!!!!!!!!!!!!!!

Nach ein paar Tagen gingen Jan und mir langsam die selbstorganisierten Tagesaktivitäten aus. Also entschlossen wir uns, uns eine geführte Höhlentour zu geben. Die besagte Höhle namens Tham Lot liegt etwa anderthalbstunden Autofahrt von Pai entfernt und ohne gaslaternentragenden Höhlenguide kommt da keiner rein. Die Fahrt auf der offenen aber überdachten Ladefläche und mit rostigen Eisenstangen als Rückenlehne ausgestattete Sitzbank des Pickup-Trucks war mehr als nur unbequem. Nicht zuletzt weil unser Fahrer, mit seiner 10-Köpfigen Humanfracht durch die Serpentinenstraßen geheizt ist, als hätte er Vieh hinten drauf, welches schnellstmöglich zum Schlachter gebracht werden muss. Naja, zum Schlachter wurden wir ja nicht gebracht, sondern zur doch recht beeindruckenden Tham Lot Höhle. Die Höhle beherbergte dutzende sonderbare und imposante Gesteinsformationen, Stalagmiten als auch Stalaktiten, welche von der Decke oder vom Boden aus kommend über tausende von Jahren daherwuchsen.

Das dieser Ort der Dunkelheit vor extrem langer Zeit von Höhlenmenschen bewohnt wurde, davon zeugen unter anderem uralte Minisärge sowie die schon mehr als gut verblassten Bemalungen an den Wänden. Unsere Guides hatten uns ansonsten nicht viel Wissenswertes zur Höhle zu erzählen. Ab und zu beleuchteten sie mal aus gewohnter Routine gelangweilt einen Stalagmit oder eine andere Gesteinsformation mit ihren Taschenlampen, mit dem Hinweis, dass hier ein Elefant zu sehen sei. Wobei die Höhle ganz schön vieler solcher Steinelefanten beherbergte. Ich sah zwar nicht immer einen, aber ja,…

Zum Inventar der Höhle zählten, neben den Minisärgen auch Fledermäuse, welche zu tausenden am Eingang der Höhle rumflatterten und ihren Geschäftlichkeiten nachgingen. Wegen dieser Tiere beziehungsweise wegen deren Kot, durchzog die Höhle ein permanenter, zum Glück aber nicht penetranter, süßlicher Gestank. Gratis und nicht inbegriffen im Tourpreis bekam ich am Ende der Bambusflossfahrt zur Höhlenpforte noch einen Fledermausschiss in Nacken. Hätte ich jetzt nicht haben müssen. Aber einen triffts halt immer.

Eigentlich sollte noch ein richtiges Höhlenabenteuer für Jan und mich folgen. Allerdings nicht so huppifluppimäßig wie die geführte Kindergartentour in der Tham Lot Höhle, sondern eine, zum Repertoire von Pai Adventures gehörende Ganztagestour. Jedoch wäre dies für uns eine Privattour zu nem Schnäppchenpreis gewesen. Connections halt. Die Höhle zu der es gehen sollte, lag auch etwa anderthalb Stunden von Pai entfernt. Allerdings in die andere Richtung. Insgesamt hätte die Tour 12 Stunden gehen sollen, drei Stunden Fahrt, eine Stunde zur Höhle hin- und wieder zurücklaufen und acht Stunden unter Tage. Ed hatte uns aber vorher schon gewarnt, dass diese Tour keineswegs ohne sei. Man watet stirnlampentragend teils durch hüfthohes Wasser, ohne zu sehen oder gar zu wissen, was für ein wirbelloses Tier an einem vorbeifleucht. Dreckig wäre man auf jeden Fall geworden. Warum beschreib ich dieses ganze Szenario die ganze Zeit im Konjunktiv? Tja, weil einzige Prämisse, an die die Realisierung dieses Ausfluges gebunden war, das Wetter war. Jaja, ich hab zwar die ganze Zeit was von Trockenzeit und extremer Dürre gefaselt aber dennoch hat es die letzten Tage immer mal wieder kurze aber immens heftige Schauer und Gewitter gegeben. Da im Juni die Monsunzeit beginnt, werden das wohl schon deren Vorläufer sein. Leider hat es an den zwei Abenden vor unserem Vorhaben so dermaßen aus Eimern gegossen, dass die Tour abgesagt werden musste. Das betreten beziehungsweise überhaupt dort unten in der Höhle rumzustreunern wäre aufgrund des vielen hineingeströmten Wassers ein zu gefährliches Unterfangen gewesen. Verdammt Schade! Aber dennoch absolut verständlich, dieses Risiko nicht einzugehen, denn bei sowas gilt oberstes Gebot für alle Beteiligten: Safety first!

Achja doch, in Pai ließ es sich schon ganz gut aushalten. Auch wenn mal nix geplant war, so wars doch immer wieder schön, zwangslos und ohne Ziel nur herum zu latschen, auf nen Plausch bei John oder Ed und Pam vorbeizuschauen oder einfach mitm Scooter durchs Paische Hinterland zu düsen, anzuhalten, die Szenerie aufzusaugen und ab und an bildlich festzuhalten.

Schade, dass ich nicht erleben werde, wie hier alles beginnt, wie im Zeitraffer zu wachsen und zu grünen, wenn die Regenzeit kommt. Soviel Zeit hab ich dann doch nicht… Okidoki Freunde, das wärs erstmal an dieser Stelle. Morgen raff ich dann wieder all mein Hab und Gut zusammen und ziehe weiter. Wo‘s genau hingeht, was so passiert und so weiter und so fort, kommt im Nächsten!

Bis die Tage!

Julia

 

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